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Der Neue auf der Basis Locarno 6

Mit der Einführung des neuen Rega-Helikopters auf der Einsatzbasis im Tessin hat ein neues Kapitel begonnen. Drei Crewmitglieder erzählen, wie sich der Wechsel anfühlt und was sich in ihrem Einsatzalltag ändert.

Rückblick: Es ist der 23. März 2026. Auf dem Tarmac der Basis Locarno stehen sie nebeneinander: der vertraute AgustaWestland Da Vinci und sein Nachfolger, der Airbus H145 D3. Die Crew lädt das medizinische Material und die Geräte um, verstaut sie, ordnet sie neu. Jedes Teil findet seinen Platz in der geräumigen Kabine des neuen Helikopters. Auf der Tessiner Rega-Basis wird gerade der neue Rettungshelikopter in Betrieb genommen. Locarno ist die erste Gebirgsbasis, die vom Da Vinci auf den H145 D3 wechselt.

Grossprojekt im Hintergrund

Dieser Tag ist ein kleiner Ausschnitt aus einem Grossprojekt, das sich über mehrere Jahre erstreckt. Hinter der Umflottung stehen Menschen, Dienstpläne und operative Verpflichtungen. Während im Hintergrund geplant und die Crew jeder Basis auf den neuen Helikopter geschult wird, bleibt eines unverändert: Die Rega ist rund um die Uhr einsatzbereit, Schulung und Einsatzbetrieb laufen parallel – ohne Einbussen bei der medizinischen Versorgung der Bevölkerung.

Mehr als ein neues Fluggerät

Der Wechsel auf den neuen Rega-Helikopter ist nicht nur ein technologischer Quantensprung, sondern auch ein intensiver Lernprozess für die Crews. Am grössten ist die Umstellung für die Crews der sieben Gebirgsbasen, die bisher den Rettungshelikopter des Typs Da Vinci flogen. Eine grosse Erleichterung bietet dabei der eigene Helikoptersimulator für den Airbus H145: Dort trainieren Piloten gemeinsam mit Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitätern eine Woche lang realitätsnah Standardsituationen und Notverfahren. In den darauffolgenden zwei Wochen wird jeweils ein Team aus zwei Piloten, zwei Rettungssanitätern, mehreren Notärztinnen und -ärzten sowie Rettungsspezialisten der Alpinen Rettung Schweiz (ARS) vollständig auf der neuen Maschine ausgebildet.

Drei Crewmitglieder der Basis Locarno erzählen, wie sich dieser Wechsel anfühlt – und was sich dadurch im Einsatzalltag verändert hat.

«Kommunikation wird noch wichtiger.»

Amos Brenn, Rettungssanitäter, Leiter Basis Locarno

 

«Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter sorgen dafür, dass Cockpit und Kabine reibungslos zusammenspielen.» Mit dem neuen Helikopter ändern sich genau an dieser Schnittstelle Abläufe, Handgriffe und Perspektiven. 

Deutlich wird das bei den Einsätzen mit der Rettungswinde: «Sie befindet sich neu auf der linken Seite. Ich bediene sie aussen auf der Kufe stehend und habe einen anderen Blickwinkel als der Pilot. Beim Da Vinci war er identisch. Dadurch wird die Kommunikation zwischen mir und dem Piloten noch wichtiger.» Gleichzeitig bringt die neue Konfiguration spürbare Erleichterungen: «Mit dem Da Vinci mussten wir landen, um vom Cockpit nach hinten in die Kabine zu gelangen. Jetzt können wir direkt nach draussen und die Rettungswinde bedienen. Das spart Zeit – ein entscheidender Faktor, wenn jede Minute zählt.»

Dasselbe trifft aufs Cockpit selbst zu, wo der Rettungssanitäter den Piloten beim Navigieren unterstützt: «Ich kann auf meinem Bildschirm dieselbe Anzeige wie der Pilot aufschalten. So lassen sich Parameter bequemer überprüfen und bestätigen, zum Beispiel bei einem Flug nach Instrumenten.»

«Noch mehr Sicherheit und Behandlungsqualität»

Anna Brunello, Notärztin

 

Für die Notärztin zeigt sich der Wandel in der Helikopterkabine. «Notfallversorgung in der Kabine ist anspruchsvoll. Zusätzliche Bewegungsfreiheit und eine optimierte Anordnung von Material und Geräten tragen zu mehr Sicherheit und höherer Behand- lungsqualität bei. Die Versorgung mit besserem Zugang zu den Atemwegen, das Legen eines Venenzugangs oder der Einsatz von Ultraschall sind noch einfacher möglich.»

Auch kleinere Faktoren haben medizinisch eine grosse Wirkung: «Weniger Vibrationen, weniger Lärm und verbesserte Heizungsmöglichkeiten bedeuten für die Crew und für die Patientinnen und Patienten mehr Komfort.» Neu ist auch die Möglichkeit, die medizinische Erstversorgung geschützt im Helikopter am Boden oder in der Luft durchzuführen. «Mit dem Da Vinci fand vieles draussen statt – bei Kälte, Wind oder Schnee.»

Prädestiniert ist der H145 D3 auch für intensivmedizinisch betreute Patientinnen und Patienten oder für frühgeborene Babys im Transportinkubator.

«Auch wir Notärztinnen und Notärzte wurden gut auf diesen Wechsel vorbereitet. Im Februar absolvierten wir eine theoretische Umschulung, danach folgten drei intensive Tage auf der Basis Locarno», sagt Brunello. So wurden Routineabläufe beim Ein- und Aussteigen sowie Einsätze mit der Rettungswinde geübt.

Der neue Helikopter bringt auch Umgewöhnung mit sich: «Die neue Kabinenkonfiguration trennt Kabine und Cockpit etwas stärker. Kommunikation und Teamarbeit bleiben gleich – trotzdem ist es etwas anders als bisher.»

Mit Blick nach vorne sagt die Notärztin: «Ich freue mich auf die kommenden Einsätze. Teil dieses Wandels zu sein, macht mich stolz.»

«Mehr mentale Kapazität für Taktik»

Mario Agustoni, Chefpilot Helikopter

 

Für Chefpilot Mario Agustoni ist der neue Helikopter vor allem eines: ein leistungsstarkes und vielseitiges Einsatzwerkzeug. «Die Maschine ist sehr stabil in der Luft und überraschend einfach zu bedienen.» Diese intuitive Handhabung verschaffe den Piloten einen Vorteil: «Wir können uns noch stärker auf taktische Fragen konzentrieren: Wie positionieren wir den Helikopter im Gelände? Wie führen wir eine Windenoperation durch, wenn sich Blickwinkel und visuelle Referenzen verändern?»

Das moderne, digitale Cockpit, die verbesserte Sicht nach aussen, die eine durchgehend aufrechte Sitzposition zulässt, und die ergonomische Anordnung der Instrumente sorgen für ein erweitertes Situationsbewusstsein: «Man hat beinahe eine 360-Grad-Übersicht.»

Besonders in alpinen Höhen spielt zudem die starke Leistung des neuen Rettungshelikopters eine zentrale Rolle. «Die grosse Nutzlast macht Einsätze in der dünnen und weniger tragfähigen Luft in alpinen Höhen noch sicherer und gibt uns genügend Reserven – gerade bei anspruchsvollen Einsätzen: für zusätzliche Personen wie Angehörige der Patienten oder Bergretterinnen und Bergretter der Alpinen Rettung Schweiz, die uns im schwierigen Gelände unterstützen, aber auch für medizinische Ausrüstung.»

Doch Technik allein schafft keine Sicherheit. «Routine entsteht nicht über Nacht.» Entsprechend investierte die Rega in Ausbildung und Umschulung – schrittweise und eng getaktet. «Es war ein anspruchsvoller Prozess, aber die Motivation war hoch.» Und auf eines ist Mario Agustoni besonders stolz: «dass wir diesen Wechsel schaffen, ohne eine Basis auch nur für eine Stunde zu schliessen oder in der Hochsaison einen zusätzlichen Helikopterdienst zu streichen.» Möglich sei das nur dank des grossen Engagements der Fluglehrer, Instruktoren und Mechaniker – und weil die Rega über ausreichend Fluggeräte und Personal verfüge, um den Übergang sorgfältig zu planen und vorzubereiten.

Was passiert mit den Da Vinci?

Die bisher eingesetzten Rettungshelikopter des Typs AgustaWestland Da Vinci werden schrittweise aus dem Betrieb genommen und verkauft. Sie haben 16 Jahre lang die Schweizer Luftrettung – vor allem in alpinen Regionen – geprägt und bleiben ein wichtiger Teil der Rega-Geschichte.

Ein Projekt von grosser Reichweite

Mit 14 über das ganze Land verteilten Einsatzbasen stellt die Rega die medizinische Grundversorgung aus der Luft rund um die Uhr sicher. Bis Ende 2026 werden insgesamt 21 neue Airbus-Helikopter des Typs H145 D3 die bisherige Flotte ablösen. Künftig setzt die Rega damit auf eine Einheitsflotte – mit klaren Vorteilen für Ausbildung, Wartung und Logistik. Auf neun Einsatzbasen steht der H145 D3 bereits im Einsatz, die weiteren fünf folgen bis Ende 2026.

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