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Rega – Schweizerische Rettungsflugwacht, zur Startseite

Hand in Hand für Delilah

Ein kleines Mädchen wird in Amriswil von einem Lieferwagen überrollt. Polizei, Rettungsdienst und Rega-Crew arbeiten Hand in Hand, um die kleine Patientin bestmöglich zu versorgen.

Ein Polizist in einer orangen Leuchtjacke steht auf dem asphaltierten Vorplatz eines Industriegebäudes im thurgauischen Amriswil. Er blickt hinauf zum blauen Himmel und streckt beide Arme nach oben, ein «Y» formend. Das Zeichen steht für «Yes – ich brauche Hilfe». Rotorengeräusch kündigt die Ankunft von Rega 7 an. Kurz darauf ist der rote Rettungshelikopter der Basis St. Gallen zu sehen; mit grosser Geschwindigkeit nähert er sich seinem Einsatzort. Mit dem Zeichen signalisiert der Polizist dem Piloten einen möglichen Landeplatz.

Landung in Amriswil

Im Cockpit sitzen Pilot Dominik Tanner und links neben ihm Rettungssanitäter Christian Manser. «Einweisender Polizist auf 11 Uhr – sieht nach genug Platz für die Landung aus», sagt Manser. Beide sind fokussiert. Tanner fliegt eine Rechtskurve über dem Einsatzort, der dank der Polizeiautos und des Ambulanzfahrzeugs schon von Weitem erkennbar ist. In der Kurve neigt sich der Helikopter nach rechts, der Blick wird frei auf die Szenerie am Boden. Für die Crew ist das ein wichtiger Moment: Einerseits geht es darum, mögliche Hindernisse und Gefahren rund um den Ort, den der Polizist als Landeplatz ausgesucht hat, auszumachen. Befinden sich Stromleitungen oder Kabel in der Nähe? Gibt es Gegenstände, wie Sonnenstoren oder Blachen, die der Abwind des Helikopters bei der Landung wegwehen könnte? Andererseits kann der Blick von oben auch Aufschluss über einen Unfallhergang geben, wie Notärztin Jessica Fieber erklärt, die hinten in der Kabine sitzt. «Wo ist die Patientin? Gibt es gar Hinweise auf mögliche Verletzungen? Der erste Eindruck aus der Luft ist sehr wichtig, weshalb ich im Anflug immer aus dem Fenster blicke.»

Übernahme der Patientin in der Ambulanz

Nach der Landung arbeitet die Crew zügig und konzentriert. Jessica Fieber nimmt den Notarztrucksack aus dem Rettungshelikopter und läuft zur Ambulanz. Im Innern des Wagens kümmern sich bereits zwei Rettungssanitäter sowie ein Notarzt um das schwer verletzte sechsjährige Mädchen namens Delilah. Mit einfachen Fragen nimmt Jessica Fieber Kontakt mit der Patientin auf, während sie von ihren Kollegen über bereits getroffene Massnahmen und verabreichte Medikamente informiert wird. Die Verdachtsdiagnose: eine gebrochene Hüfte und mögliche innere Verletzungen. «Es ist wichtig, dass ich mir ein eigenes Bild des Zustands der Patientin verschaffe. Schliesslich trage ich ab dem Moment der Übernahme die Verantwortung, bis ich die Patientin im Spital an die Ärzte weitergebe.» Der Rettungsdienst hat die Rega angefordert, damit die junge Patientin möglichst rasch und schonend ins Kinderspital St. Gallen geflogen werden kann.

Vorbereitungen für den Flug ins Spital

Währenddessen bereiten Dominik Tanner und Christian Manser alles Weitere für den Flug ins Spital vor. Tanner informiert per Telefon die Rega-Einsatzzentrale über das Zielspital sowie über die geschätzte Ankunftszeit und gibt die Personalien der Patientin weiter, damit der Einsatzleiter die Spitalanmeldung vornehmen kann. Manser bereitet die Rolltrage aus dem Helikopter vor. Kurz darauf packen Rega-Crew, Polizisten und Rettungssanitäter gemeinsam an, um das Mädchen auf die Rega-Trage umzulagern. Die Abläufe sind eingespielt – alle wissen, was zu tun ist.

Alle ziehen am gleichen Strick

Ob bodengebundene Rettungsdienste, Polizei, Feuerwehr oder – im Winter – Pistenrettungsdienste: Alle Einsatzpartner ziehen am gleichen Strick, um einem Patienten so rasch und gut wie möglich zu helfen. Die Rega-Crew ist ein Teil der Rettungskette, die beim Ersthelfer beginnt und nach der Übergabe eines Patienten im Spital endet. «Zentral in der Zusammenarbeit ist, dass die Aufgaben klar verteilt sind und jeder auch weiss, was der andere tut», sagt Dominik Tanner. Bei Einsätzen in der Agglomeration wie demjenigen für Delilah sei die Polizei beispielsweise eine grosse Unterstützung: «Sie sucht nach einem geeigneten Landeplatz, sperrt zum Beispiel eine Strasse ab und weist uns dann vor Ort ein. Dabei stehen wir per Funk in Kontakt und können jederzeit miteinander kommunizieren», so Tanner. Zusätzliche Einsatzpartner vor Ort zu haben, bedeutet immer auch mehr helfende Hände. So kommt es oft vor, dass die lokale Feuerwehr oder Polizisten mithelfen, einen Patienten zum Helikopter zu tragen, wenn dieser etwas weiter entfernt landen musste.

Die Zusammenarbeit fördern

Um sicherzustellen, dass die Zusammenarbeit zwischen den Rega-Crews und ihren Einsatzpartnern reibungslos funktioniert, investiert die Rega viel in gemeinsame Schulungen. Für diese ist die Abteilung «Partnerausbildung» bei der Rega zuständig. Ebenfalls hilfreich für eine gute Zusammenarbeit der verschiedenen Einsatzorganisationen sind die beruflichen Erfahrungen der Rega-Crewmitglieder. Rettungssanitäter Christian Manser beispielsweise war selbst jahrelang in einer Ambulanz unterwegs, bevor er zur Rega kam: «Ich weiss aus eigener Erfahrung, was den bodengebundenen Rettungsdiensten wichtig ist und welches Material sie zur Verfügung haben. Das hilft mir in der täglichen Zusammenarbeit.»

Glück im Unglück

In Amriswil beginnen die Rotoren des Rega-Helikopters zu drehen. Der Polizist in der orangen Leuchtjacke sorgt dafür, dass sich niemand dem startenden Helikopter nähert. In der Kabine legt Jessica Fieber der jungen Patientin sanft einen Rega-Plüschheli auf die Brust und zeigt auf die Rotorblätter: «Schau, jetzt beginnen diese da oben zu drehen.» Der Vater der Kleinen sitzt daneben. Delilah ist ruhig und liegt gut gebettet und eingepackt auf der roten Vakuummatratze. Nach einem kurzen Flug übergibt Jessica Fieber das Mädchen an die bereitstehenden Ärztinnen und Ärzte im Kinderspital St. Gallen. Sie fasst zusammen, was passiert ist, wie die Verdachtsdiagnose lautet und welche Medikamente verabreicht wurden. Danach verabschiedet sie sich von Delilah und wünscht ihr alles Gute. Später stellt sich heraus, dass die Kleine Glück im Unglück hatte: Sie muss zwar mit einer gebrochenen Hüfte mehrere Wochen im Spital bleiben, aber der grosse Schulthek und die dicke Jacke hatten sie wohl etwas geschützt und dadurch schlimmere, innere Verletzungen verhindert.

Mehr zur Partnerausbildung bei der Rega 

Zusätzliche Informationen