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Rega-Jets im Einsatz in der Schweiz

Die Brandkatastrophe in Crans-Montana hat deutlich gezeigt: Ebenso wichtig wie die Rettungshelikopter der Rega sind ihre drei Ambulanzjets. Mit ihnen konnten zahlreiche schwer verletzte Patientinnen und Patienten schnell verlegt werden.

Aussergewöhnlicher Grosseinsatz

Die Brandverletzten wurden unter anderem nach Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Belgien verlegt. Dort gibt es ebenfalls spezialisierte Zentren für Brandverletzte.

Karte der Rega-Verlegungsflüge nach Crans-Montana
ausländische Spezialklinik
Flughafen
Ambulanzjets*
Rettungshelikopter

* Ab dem Zielflughafen erfolgte der Patiententransport bodengebunden in die jeweilige Klinik.

Daniel LandertLeiter Jet Einsatz

Nach dem Brand in Crans-Montana kamen neben acht Rega-Helikoptern auch die drei Ambulanzjets der Rega zum Einsatz. Weshalb?

Unsere Ambulanzjets können entscheidend sein, um Patientinnen und Patienten in kritischem Zustand schnell zu helfen und sie in ein anderes Spital zu verlegen. Viele unserer Gönnerinnen und Gönner verbinden die Jets mit Repatriierungen aus dem Ausland. Doch Crans-Montana hat eindrücklich gezeigt, dass unsere Jets auch innerhalb der Schweiz oder Europas unschätzbare Dienste leisten können.

Welche Rolle hatten die Jets?

In der ersten Phase transportierten die Ambulanzen sowie die Rettungshelikopter, darunter jene der Rega, die Verletzten möglichst schnell in das Spital Sion oder auch in weiter entfernte Spitäler. Wegen der hohen Zahl von Verletzten stiess das Spital Sion bald an seine Kapazitätsgrenzen. Zudem brauchte es freie Betten für die weiterhin eintreffenden Verletzten.

Die erstversorgten Patientinnen und Patienten mussten deshalb so schnell wie möglich in spezialisierte Schweizer Spitäler verlegt werden. Hier konnten unsere Ambulanzjets, als Ergänzung zu den Rettungshelikoptern, Entlastung bieten. Die drei Rega-Jets flogen insgesamt fünf Mal ins Wallis. In der dritten Phase schliesslich verlegten wir mit den Jets zahlreiche Brandopfer von der Schweiz ins Ausland.

Brandopfer Transfer Stuttgart
Die Rega-Crew hat ein Brandopfer nach Stuttgart geflogen. Dort wird es von der Ambulanz übernommen.

Wie schnell waren die Jets bereit?

Das ging alles sehr schnell. In weniger als einer Stunde nach dem Entscheid war die erste Jet-Crew einsatzbereit. Die ganze Organisation schaltete in den Modus «Grosseinsatz». Wir standen über drei Tage hinweg im Dauereinsatz.

Schwerbrandverletzte benötigen eine sehr engmaschige, individuelle Betreuung durch je eine Flugärztin und eine Intensivpflegefachperson. Damit wir diese gegenüber dem «Normalbetrieb» erhöhten Anforderungen an die medizinische Betreuung stemmen konnten, haben Mitarbeitende ihre Freitage verschoben, um zu helfen.

Crans-Montana war ein Grossereignis mit aussergewöhnlichen Anforderungen. Wer koordinierte die Jet-Einsätze?

Die erste Koordination lief über unsere Einsatzzentrale. Noch in der Silvesternacht fragten unsere Einsatzleiterinnen und Einsatzleiter die Kapazitäten der Spitäler im In- und Ausland ab. So wussten wir, welches Spital wie viele freie Betten zur Verfügung hatte. Das half bei der Planung der Verlegungsflüge.

In einem zweiten Schritt übernahmen das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) und das Emergency Response Coordination Centre (ERCC) die Koordination. Das ERCC erfasst europaweit freie Behandlungskapazitäten und teilt Patientinnen und Patienten den verfügbaren Spitälern zu. Später wurden einige Patientinnen und Patienten aus ausländischen Spitälern in die Schweiz zurückverlegt. Diese Einsätze flog die Rega im Auftrag des BABS. Anschliessend übertrug uns der Bund die Koordination dieser Rückführungen, sobald wieder Behandlungskapazitäten in der Schweiz vorhanden waren.

Umladen Helikopter in Rega-Jet
Nach dem Umladen vom Helikopter in den Rega-Jet fliegt die Crew die Patientin in ein Spital im Ausland.

Grossereignisse sind Ausnahmesituationen. Oft wird nur langsam klar, was passiert ist und was es für die Rettung braucht. Wer entscheidet in solchen Situationen über Zuständigkeiten und Mittel?

In der Schweiz sind zuerst einmal die Kantone zuständig. Darum führt der Kanton bei einem Grossereignis den Einsatz. Im Wallis war dies die Kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO). Bei Ereignissen von nationaler Bedeutung kommt das BABS zusammen mit dem National Emergency Operations Centre (NEOC) ins Spiel.

Das sind die formalen Zuständigkeiten. Doch die Rega kennt keine Kantonsgrenzen, und wir helfen, wo immer es uns braucht. Wir sind eine medizinische Grundversorgerin – für die ganze Schweiz.

Während des ganzen Einsatzes waren viele verschiedene Organisationen involviert. Wie hat die Zusammenarbeit funktioniert?

Vorbildlich. Von der Feuerwehr über die Rettungsdienste und Spitäler bis zu den Flugplatz- und Flugsicherungsteams haben alle Hand in Hand gearbeitet. Auch die internationalen Partner haben uns grossartig unterstützt. Die gesamte Zusammenarbeit war sehr professionell und unkompliziert. Sie haben während des Ereignisses selbst Jet-Einsätze geflogen.

Gab es Momente, die Ihnen persönlich besonders nahegingen?

Ja, vor allem die Begegnungen mit Angehörigen. Wenn man sich über längere Zeit mit einem Vater oder einer Mutter im Jet befindet, die ihr schwer verletztes Kind begleiten, erlebt man deren Emotionen hautnah mit. Das berührte mich sehr, zumal auch ich Kinder in diesem Alter habe.

Welche Erkenntnisse nimmt die Rega von diesem Einsatz mit?

Das Grossereignis in Crans-Montana hat gezeigt, dass wir uns in der Schweiz auf die professionelle Zusammenarbeit mit allen Rettungsorganisationen verlassen können und dass diese sehr leistungsfähig sind. Und: Der Rega-Jet ist nicht nur ein Einsatzmittel fürs Ausland, sondern ein integraler Bestandteil der medizinischen Notfallversorgung – auch national. Es wurde deutlich, wie wichtig es ist, im Ernstfall alle verfügbaren Mittel sinnvoll einzusetzen.

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