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Rega-Einsatzleiterin in der Einsatzzentrale an einem Arbeitsplatz mit mehreren Bildschirmen.

Zentrale Koordination der Luftrettung

Wie wird entschieden, welcher Rettungshelikopter aufgeboten wird? Warum reicht es nicht, einfach den geografisch nächsten Rettungshelikopter aufzubieten? Und welche Aufgaben übernehmen dabei die kantonalen Sanitätsnotrufzentralen und die nationale Luftrettungszentrale der Rega? 

Dieses Dossier erklärt, wie die Koordination der Luftrettung in weiten Teilen der Schweiz funktioniert und weshalb dafür aviatisches Spezialwissen, spezifische Infrastruktur und ein überregionaler Blick auf das grosse Ganze notwendig sind.

Rettungshelikopter fliegen mit rund 230km/h und haben entsprechend grosse Einsatzgebiete. Sie werden regelmässig über Kantons- und Regionsgrenzen hinweg eingesetzt, in einigen Kantonen sind gar keine Rettungshelikopter stationiert. Die Rega-Einsatzleitung muss dabei das Gesamtsystem im Auge behalten: Am schönen Wintertag mit vielen Wintersportunfällen dürfen nicht zu viele Rettungshelikopter gleichzeitig in einer Region gebunden sein, damit beispielsweise auch für einen schweren Unfall im Mittelland rasch ein geeigneter Rettungshelikopter verfügbar bleibt. Unter anderem deshalb muss Luftrettung überregional und schweizweit koordiniert werden. 

Neben der Distanz zum Einsatzort spielen Wetter, Ausrüstung, Ausbildung und Limiten der Crew, die Verfügbarkeit sowie die Anforderungen des Einsatzes eine Rolle. Auch Aspekte der Flugsicherheit müssen berücksichtigt werden. Die auf die Luftrettung spezialisierte, schweizweit tätige Einsatzzentrale der Rega hat diese Faktoren ebenso im Blick wie die laufenden Einsätze. Sie arbeitet anders wie eine Sanitätsnotrufzentrale, die in einem geographisch beschränkten Gebiet bodengebundene Mittel disponiert.

Entscheidend ist, dass der nächste und geeignetste Rettungshelikopter aufgeboten wird – unabhängig davon, welcher Organisation er angehört. Pro Jahr bietet die nationale Luftrettungszentrale der Rega rund 1'300 Mal Helikopter anderer Anbieter für Rettungseinsätze auf. 

Die Sanitätsnotrufzentralen haben die Dispositionshoheit und koordinieren die medizinische Rettung in ihrem Gebiet. Dabei bieten sie die bodengebundenen Rettungsmittel auf und fordern bei der Rega bei Bedarf Luftrettungsmittel an. Zusammen wird dasselbe Ziel verfolgt: medizinische Hilfe möglichst rasch zu Patientinnen und Patienten zu bringen.

Anders als verschiedentlich behauptet, können über digitale Schnittstellen kantonale Sanitätsnotrufzentralen einen Rettungshelikopter bei der Rega anfordern und die bereits erfassten Einsatzinformationen praktisch zeitverzugslos übermitteln. Entscheidend ist nicht, wie viele Sekunden bis zum Aufgebot vergehen, sondern wie rasch die geeignete medizinische Hilfe beim Patienten eintrifft. Wird von Beginn an der für den Einsatz geeignete Rettungshelikopter aufgeboten, kann dadurch sogar wertvolle Zeit gewonnen werden. 

Wenn verschiedene kantonale Notrufzentralen und weitere Stellen Rettungshelikopter unabhängig voneinander disponieren, fehlt der Gesamtüberblick: Welcher Einsatz ist dringlicher? Welche Helikopter-Crew ist tatsächlich geeignet? Wo lässt das Wetter einen sicheren Flug zu? Und welcher Rettungshelikopter muss allenfalls während eines Einsatzes umdisponiert werden für einen noch dringenderen Einsatz? Im Gegensatz zu den einzelnen kantonalen Sanitätsnotrufzentralen verfügt die nationale Luftrettungszentrale der Rega über diese Gesamtsicht.

Die Haltung der Rega

Die Rega ist eine gemeinnützige, von der Schweizer Bevölkerung getragene Stiftung, welche mit den Beiträgen ihrer Gönnerinnen und Gönner die medizinische Grundversorgung aus der Luft sowie ihre nationale Luftrettungszentrale und die dafür notwendige Infrastruktur finanziert. Diese Infrastruktur stellt sie in den Dienst der Luftrettung in der gesamten Schweiz, wovon sowohl andere Luftrettungsanbieter wie auch Gemeinden, Kantone und Bund profitieren.   

Die Rega hat als gemeinnützige und nicht gewinnorientierte Stiftung keinen wirtschaftlichen Anreiz, möglichst viele Einsätze selbst zu fliegen. Die Forderung nach einer zentralen Koordination der Luftrettungsmittel hat einzig zum Ziel, dass im Sinne von Patientinnen und Patienten tatsächlich das nächste und geeignetste Luftrettungsmittel in der richtigen Konfiguration eingesetzt wird sowie durch die Übersicht über alle laufenden Luftrettungseinsätze eine Steigerung der Flugsicherheit erreicht wird. 

Aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrung und ihrer Verantwortung als gemeinnützige Rettungsorganisation sieht sich die Rega deshalb verpflichtet, sich für eine zentrale, organisations- und kantonsübergreifende Koordination der Luftrettung einzusetzen. Nicht im Interesse der Rega, sondern im Interesse der Patientinnen und Patienten und einer sicheren und funktionierenden Luftrettung für die gesamte Schweiz. 

Denn entscheidend ist nicht, welche Organisation einen Einsatz fliegt, sondern dass die geeignete medizinische Hilfe so rasch und sicher wie möglich beim Patienten eintrifft. Darauf müssen sich Patientinnen und Patienten verlassen können. 

Beispiele

Zwei Rettungshelikopter stehen für einen Bergunfall zur Verfügung und sind einsatzbereit.

Rettungshelikopter A ist auf der Karte fünf Kilometer näher am Einsatzort.

Rettungshelikopter B befindet sich etwas weiter entfernt, verfügt aber über die benötigte Rettungswinde und kann den Einsatzort aufgrund der aktuellen Wettersituation sicher erreichen.

In diesem Fall kann Rettungshelikopter B trotz der grösseren geografischen Distanz die geeignete und letztlich schnellere Hilfe sein.

Entscheidend ist deshalb nicht die kürzeste Distanz auf der Karte, sondern wie rasch die geeignete medizinische Hilfe sicher bei den Patientinnen und Patienten eintrifft.

Ein Rettungshelikopter befindet sich in Region A. Gleichzeitig möchten zwei unterschiedliche, kantonale SNZ 144 diesen für zwei verschiedene Einsätze aufbieten.

Wer entscheidet:

  • welcher Einsatz dringlicher ist?
  • welche Crew für welchen Einsatz geeigneter ist?
  • ob ein anderer Rettungshelikopter verfügbar wäre?
  • welche Wetterbedingungen auf den verschiedenen Flugwegen herrschen?

Je mehr Stellen unabhängig voneinander einzelne Luftrettungsmittel disponieren, desto schwieriger wird der überregionale Gesamtüberblick.

Die zentrale Koordination bündelt diese Informationen an einer Stelle.

An einem sonnigen Wintertag werden viele Rettungshelikopter für Unfälle in Skigebieten benötigt. Die Rega-Einsatzleitung muss dabei das Gesamtsystem im Auge behalten: Es dürfen nicht zu viele Rettungshelikopter gleichzeitig in einer Region gebunden sein, damit beispielsweise auch für einen schweren Unfall im Mittelland rasch ein geeigneter Rettungshelikopter verfügbar bleibt. Für einige Patienten von Wintersportunfällen, deren Verletzungen auch einen Transport mit dem Rettungsschlitten erlauben, sucht die Rega-Einsatzleitung bei hohem Einsatzaufkommen gemeinsam mit dem Pistenrettungsdienst nach anderen Lösungen.

Zentrale Koordination bedeutet deshalb auch: vorausschauend disponieren und die medizinische Versorgung aus der Luft für die gesamte Schweiz jederzeit sicherstellen.

Fragen und Antworten

Die medizinische Erstbeurteilung erfolgt je nach Alarmierungsweg unterschiedlich. In den meisten Kantonen läuft es wie folgt: :

  • Erreicht ein Notruf die kantonale Sanitätsnotrufzentrale 144 so beurteilt der Disponent die Situation. Wird ein Rettungshelikopter benötigt, fordert er einen bei der Rega an. Die Rega beurteilt anschliessend mit Blick auf alle laufenden Einsätze, welcher verfügbare Rettungshelikopter für den konkreten Einsatz am geeignetsten ist.
  • Wird die Rega via Alarmnummer 1414 «direkt» alarmiert, beurteilt der Rega-Einsatzleiter, ob ein Rettungshelikopter das richtige Mittel ist und bietet den geeignetsten dafür auf. Wäre eine Ambulanz sinnvoller, so übermittelt er den Einsatz digital an eine Sanitätsnotrufzentrale.

Die aktuelle Position und Verfügbarkeit eines Rettungshelikopters reichen für diese Entscheidung nicht immer aus. Wetter, Flugroute, Ausrüstung, Qualifikation und Limiten der Crew sowie gleichzeitig laufende Einsätze müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Dafür sind aviatisches Spezialwissen und entsprechende Infrastruktur erforderlich.

Moderne digitale Schnittstellen ermöglichen es, die bereits bei der Sanitätsnotrufzentrale erfassten Einsatzinformationen praktisch zeitverzugslos an die Rega zu übertragen. Eine erneute Erfassung der Informationen ist damit nicht notwendig. Zwischen einigen SNZ 144 und der Rega bestehen seit Jahren solche Schnittstellen.

Nein. Entscheidend ist, welcher Rettungshelikopter für den Einsatz geeignet ist und die Patientinnen und Patienten rasch erreichen kann. Die Rega bietet deshalb auch Helikopter anderer Luftrettungsorganisationen auf – pro Jahr rund 1300 Mal.

Rettungshelikopter haben aufgrund ihrer Geschwindigkeit grosse Einsatzradien. Kantonsgrenzen spielen für ihre tatsächliche Einsatzmöglichkeit kaum eine Rolle. Gleichzeitig können mehrere Einsätze stattfinden, bei denen dieselben oder benachbarte Rettungsmittel infrage kommen. Besondere Einsatzarten, wie Lawinen- oder Bergunfälle, bedürfen zudem die Hilfe von zusätzlichen Spezialisten, wie z.B. Lawinenhundeführer oder Bergretter. Eine überregionale Koordination ermöglicht es, diese Einsätze gemeinsam zu betrachten und regionenübergreifend zu koordinieren.

Die Rega ist eine gemeinnützige, von der Schweizer Bevölkerung getragene Stiftung. Die Infrastruktur der Luftrettungszentrale wurde über Jahrzehnte aufgebaut und wird massgeblich durch die Beiträge der Gönnerinnen und Gönner finanziert. Die Koordination und Einsatzführung zugunsten der Kantone erbringt die Rega ohne Kostenfolge für diese.