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Rega – Schweizerische Rettungsflugwacht, zur Startseite

Ein falscher Schritt, und es ist passiert

Eine kurze Unachtsamkeit, und die erholsamste und schönste Zeit des Jahres endet in einem Spital in der Fremde. Die Rega hilft in der Not – wie im Fall von Remo Lack, dessen Ferien in Griechenland eine abrupte Wendung nehmen.

An einem der letzten Tage der Sommerferien mit Freunden auf der Insel Kreta passiert es. Es sollte ein Erinnerungsfoto der schönen Morgenstimmung am Strand werden. Remo Lack kraxelt dafür etwas höher auf eine Felsklippe. Beim Runtersteigen rutscht er aus, fällt rund drei Meter und landet auf dem Rücken. Mit starken Schmerzen bleibt er liegen.

Ungewissheit belastet

Es dauert über eine Stunde, bis der Rettungsdienst eintrifft, und nochmals so lange, bis Remo Lack im Spital untersucht wird. Die Ferienstimmung ist dahin, an ihre Stelle tritt eine grosse Ungewissheit. Denn nach dem Röntgen versteht der Bankangestellte aus Solothurn einzig, dass etwas im Rücken gebrochen ist. Das Pflegepersonal und die Ärzte sprechen kaum Englisch. Wie schlimm bin ich verletzt? Kann es sein, dass ich nie mehr richtig laufen kann? Die Fragen bleiben unbeantwortet.

Im Spital ist der Zutritt für Besucher aufgrund strenger Covid-Regelungen beschränkt. Einer der Freunde darf ihm zwar den Koffer ins Spital bringen, ansonsten ist er ganz auf sich allein gestellt. Via Smartphone steht Remo Lack in Kontakt mit seinen Eltern in der Schweiz. Der Vater beschliesst, die Rega anzurufen. Als Gönner weiss er: Die Rega hilft und kann Patienten aus dem Ausland in die Schweiz zurückfliegen.

Die gute Nachricht

Nach dem Telefongespräch mit der Einsatz leiterin kontaktiert der Rega-Beratungsarzt seine griechischen Kollegen, macht sich kundig und studiert dann die diagnostischen Unterlagen. Er verschafft sich so aus der Ferne ein möglichst genaues Bild von Remos Gesundheitszustand sowie von dessen medizinischer Versorgung vor Ort. Aufgrund dieser Informationen beurteilt er unter anderem, ob Remo Lack überhaupt transportfähig ist.

Aus seinem Büro in der Einsatzzentrale beim Flughafen Zürich ruft der Beratungsarzt den 23-Jährigen an und erklärt die Diagnose: Bruch eines Lendenwirbels. Wichtig sei es, sich jetzt möglichst nicht zu bewegen, damit der Knochen wieder zusammenwachsen könne. Sollte sich der Wirbel aber verschieben, so müsste womöglich operiert werden, und es drohten im schlimmsten Fall weitere Folgeschäden.

Endlich eine Einordnung, endlich kann sich Remo Lack mit jemandem in seiner Muttersprache verständigen. Ausserdem bekommt er Bescheid, dass er im Ambulanzjet der Rega nach Hause fliegen wird. «Das war ein sehr gutes Gefühl – zu wissen, dass die Rega kommt und ich bald in der Schweiz sein werde», sagt Remo Lack. Die Anspannung fällt etwas von ihm ab.

In Szenarien denken

Zur gleichen Zeit informieren sich Intensivpflegefachfrau Karine Lang und Flugärztin Julia Janssen über den Zustand ihres Patienten und über ihren Einsatz am nächsten Tag. Dazu lesen sie den Bericht des Beratungsarztes und tauschen sich darüber aus. Eine sorgfältige Vorbereitung geschieht vor jedem Einsatz. Die beiden Fachfrauen stellen sich dabei auf verschiedene Szenarien ein. Zum Beispiel darauf, dass sich der Gesundheitszustand von Remo Lack verändern könnte, bis sie eintreffen. Sie stellen sich deshalb Fragen wie: Was können wir vor Ort tun, wenn sich Remo Lacks Zustand in der Zwischenzeit verschlechtert hat oder sich gar während des Fluges plötzlich verschlimmert?

«Wir bereiten uns sehr sorgfältig auf jeden Einsatz vor und stellen uns auch auf Unvorhersehbares ein.» Julia Janssen 30, Flugärztin

Schmerzmittel verabreichen

24 Stunden nach der Kontaktaufnahme landet der Rega-Jet auf dem Flugplatz Chania auf Kreta. Ausnahmsweise fährt die medizinische Rega-Crew nicht ins Spital, um den Patienten dort abzuholen; Remo Lack wird von der Ambulanz direkt auf das Flugfeld zum Ambulanzjet gefahren. Dieses Vorgehen ist auch den Covid-bedingten Zutrittsbeschränkungen im Spital geschuldet.

Die Türen der Ambulanz werden geöffnet, Karine Lang und Julia Janssen steigen in den Wagen zu Remo Lack. Nach der Begrüssung stellen sie ihm als Erstes ein paar einfache, aber gezielte Fragen zu seinem Gesundheitszustand und seinen Schmerzen. «Der erste Eindruck ist für uns enorm wichtig. Wir können rasch einschätzen, wie es dem Patienten geht und was er für den Transport braucht. Remo Lack leidet starke Schmerzen», sagt Julia Janssen, «deshalb haben Karine Lang und ich noch in der Ambulanz die Schmerztherapie besprochen.» Das Ziel ist klar: Der junge Mann soll während des Einlads und des Fluges möglichst keine Schmerzen haben. Damit Remo Lack ansprechbar bleibt, müssen die starken Schmerzmittel sehr fein dosiert werden.

 

Unter Beobachtung im Cockpit

An der Rampe des Jets packen auch die Piloten mit an und schieben den Patienten auf der Liege vorsichtig hoch ins Innere des Ambulanzflugzeugs. Heute sind es drei Piloten, die mithelfen. In der Regel besteht die Cockpit- Crew der Rega auf Flügen innerhalb Europasaus einem Kapitän und einem Co-Piloten. Bei diesem Einsatz ist neben Kapitän Benedikt Steiner und Co-Pilot Adrian Megert zusätzlich Raphael Jenni als sogenannter Check-Pilot mit an Bord. Beim Umladen des Patienten im Jet auf die Rega-Liege ist höchste Vorsicht geboten, da sich der Bruch auf keinen Fall verschieben darf. Nach dem Umlagern bereiten die Rega-Flugärztin und die Intensivpflegefachfrau den Patienten mit geübten Handgriffen auf den Start vor: Sie sichern ihn mit Gurten, zurren diese vorsichtig fest und bringen die Sensoren an, welche die Vitalparameter wie Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung an den Überwachungsmonitor übermitteln. Nun ist Remo Lack bereit für den Start. Von der griechischen Insel soll es nach Tirana in Albanien weitergehen, wo ein zweiter Patient auf die Rega wartet.

Ausgerutscht im Parkhaus

Er heisst Gazmend Omeri und kommt aus Frauenfeld. Auch seine Ferien hatten eine unglückliche Wendung genommen, auch ihm machte ein Sturz einen Strich durch die Rechnung. In einem Parkhaus war er auf dem nassen Boden unglücklich ausgerutscht und mit dem Bein gegen einen Betonpfeiler geprallt. Diagnose: Fraktur der Kniescheibe.

Für seine Repatriierung wäre aus medizinischer Sicht nicht zwingend ein Ambulanzjet notwendig. Aber die Einsatzzentrale der Rega versucht wenn immer möglich, in einem Einsatz mehrere Patienten zu repatriieren. Diese sogenannten «Kombinations-Flüge» erlauben einen ökonomischen sowie ökologischen Einsatz der vorhandenen Mittel. Bei ungefähr jedem dritten Jet-Einsatz fliegen die Rega-Crews zwei oder mehr Patienten gleichzeitig nach Hause.

Auf dem Rückweg von Kreta landet die Crew in Tirana, um Gazmend Omeri aufzunehmen. Wenig später liegt der 43-Jährige mit eingegipstem Bein neben Remo Lack in der Jetkabine. Nach der Landung in Zürich trennen sich die Wege der beiden Patienten, die von Ambulanzen in Spitäler nahe ihrem Wohnort und ihren Liebsten gefahren werden.

Zurück daheim

Zurück in der Schweiz wird Remo Lack nochmals gründlich untersucht, und danach wird klar: Er muss ein Korsett tragen, sich schonen und möglichst viel liegen. Und hoffen, dass nicht doch noch eine Operation zur Heilung nötig wird.

Das Foto der schönen Strandszenerie am frühen Morgen auf Kreta wird ihn immer an das jähe Ende seiner Ferien erinnern – und an seine Heimkehr im Rega-Jet.

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